Die aktuelle Tokyo Motor Show beweist's: Japans Autofirmen geht's offensichtlich wieder blendend.
TOP-GEWINN recherchierte vor Ort, welche heimischen Betriebe davon profitieren.
Von Dr. Christian Jörg
Auch wenn keine Automarke rot-weiß-rot als Heimat hat: Wir Österreicher sehen uns als Autonation - weil zahlreiche Zulieferer unsere heimische Wirtschaft ankurbeln. Was diesen viel gerühmten Zulieferern im Portfolio aber offensichtlich fehlt, sind japanische Marken - obwohl gerade deren Modelle in den vergangenen Jahren und Monaten stark an Boden gewonnen haben. Von beiden Tatsachen überzeugte sich GEWINN anlässlich der Tokyo Motor Show vor Ort. Wir wundern uns, dass beispielsweise Magna von seinen US-Werken Japaner mit Teilen beliefert - aus Österreich aber nur die Außen-spiegel für den Toyota Avensis Verso kommen. Oder wir staunen, dass Eybl-International zwar bei vielen Autonationen für Sitzbezüge, Stoffe oder Leder-Accessoires geschätzt wird. Von den damit jährlich erwirtschafteten 370-Euro-Umsatz-Millionen stammen aber nur fünf aus dem Japaner-Segment. Und diese paar Lederlenkräder werden nicht nach Japan verschifft, sondern landen in englischen Honda- und Toyota-Werken.Fragt man etwa bei der Voestalpine (mit 760 Millionen Euro Jahresumsatz ein bedeutender Lieferant von Blechen und Aluteilen fast aller europäischer Vehikel) nach dem Japan-Geschäft, erntet man nur ungläubiges Kopfschütteln. "Nein", sagt der zuständige Kommunikationschef Wilhelm Nitterl, "wir haben keine Verträge mit japanischen Firmen." Und wenn, dann ist diese Perspektive so minimal, dass Blechzulieferungen an das ungarische Suzuki-Werk unter den Tisch fallen. Auch andere österreichische Zulieferriesen wie iSi aus Wien, deren 110 Mitarbeiter so genannte Kaltgasbehälter für Airbags herstellen, oder Pollmann aus dem Waldviertel (40 Euro-Millionen pro Jahr aus automotiven Produkten) können zurzeit keine Informationen über bestehende Verträge mit oder Absichten in Fernost bieten.Andererseits staunen wir, dass es im niederösterreichischen Waidhofen an der Ybbs eine Firma Forster gibt, die sämtliche Beschilderungen aller europäischen Toyota-Händler herstellt. Oder wir klopfen uns - schon ein bisserl bescheidener geworden - stolz auf die Schulter, wenn wir erfahren, dass einige heimische Firmen gute Geschäfte auf dem Ersatzteilmarkt mit Japan-Händlern machen: Remus aus dem steirischen Bärnbach mit Sportauspuffen, Dornauer aus Salzburg mit Schonbezügen und Wind-abweisern, Evamatic aus Hainburg (Niederösterreich) mit Kennzeichenrahmen (KFZ Kennzeichenhalterung oder Kennzeichenhalterungen), Dolphin aus Brunn am Gebirge (ebenfalls Niederösterreich) mit Alarmanlagen.Der Linzer Batterienhersteller Banner verweist auf Verträge mit den Europa-Zentralen von Mitsubishi und Suzuki. Geschäftsführer Andreas Bawart: "Wir expandieren bei der Nachrüstung und haben Vertriebskanäle mit Autohäusern und Werkstätten." Standheizungen von Webasto finden ihren Weg aus dem Zehnten Wiener Gemeindebezirk in die Österreich-Zentralen von Toyota, Mazda, Mitsubishi, Suzuki und Nissan. "Eine Belieferung der Erstausrüstungen geht aber an uns vorbei", betont Webasto-Österreich-Chef Dieter Hahn, "dieses Geschäft wird von unserer Münchner Zentrale gesteuert."
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